Sand
"Ueberall Sand. Ich werd’ echt bekloppt. Alter, was hast du gemacht?!?"
Mein Mitbewohner tobt. Er hasst Sand. Und er hat Recht, der Sand ist ueberall.
Selbst in den eigentlich nicht betroffenen Zimmern knirscht es unter den Fuessen.
"Man Martin" - jetzt klingt er wirklich genervt - "Warum? Kannst du Dich nicht wie
jeder sonst hier einfach in Kneipen verabreden? Hattest du wenigstens Spass?"
Jetzt missversteht er meine Situation. Und SO viel Sand ist es nun auch nicht.
Es ist ja nicht so, dass ich hier einen Strand aufgemacht haette, sondern
lediglich ein paar Kruemel, vielleicht auch eher Haeufchen, die aus meinem Rucksack kamen.
"Mmh. Spass?" Jetzt muss ich aufpassen. Wenn ich jetzt nicht gleich die
Kurve bekomme, nimmt das Gespraech seine ueblichen Bahnen an. Mein Mitbewohner
ist Realist. Ich auch, eben nur auf eine andere Art.
"Hast Du das mit Kirsten jetzt endlich geklaert?" Und schon sitz’ ich in der Falle.
"Mmh. Wir haben uns lange und gut unterhalten."
"Das war nicht meine Frage. Bist Du mit Kirsten jetzt weiter?"
Dass er auch immer so direkt ist. Und was heisst hier ueberhaupt ‘weiter’?
"Mmh. Naja, wir sassen zum Schluss am Meer und…" fange ich an und haette dabei
eigentlich genausogut eine weisse Fahne schwenken koennen. Es ist klar, gleich
werde ich von ihm auseinandergenommen.
"Wie machst Du das eigentlich? Ihr sitzt am Meer, trinkt Wein. Lass’ mich raten: Du
hattest eine Kerze dabei und Du kommst keinen Schritt weiter?"
Schon wieder dieses Wort ‘weiter’.
Er hat Recht. Wobei: an sich bin ich schon weiter gekommen. Eben nur nicht
in der klaerenden Art und Weise. Kirsten ist ein Haertefall. Entweder sie will
absolut rein gar nichts von mir oder sie ist noch eine ganze Ecke schuechterner als ich.
So zumindest komplett aufs Wesentliche reduziert. Eine Reduzierung, der ich
mich auch eigentlich verweigere, denn weitergekommen bin ich schon,
jedoch in die falsche Richtung.
Anstatt Dinge zu klaeren und Tatsachen zu schaffen (geht das ueberhaupt in
einer solchen Situation?), hab ich mehr Sachen entdeckt, die ich an Kirsten spannend
finde. Dies sollte ich jedoch jetzt besser nicht auch noch anbringen.
"Martin, Du bist nicht schuechtern" reisst mich die Stimme aus der Kueche
aus meinen Gedanken. "Wovor hast Du eigentlich Schiss?".
Oh nein, nicht die Frage. "Dass Du Dich zum Affen machst?" Da liegt er schon nicht
ganz falsch. Die Stimme kommt naeher.
"Mal ehrlich, wir haben alle schon Koerbe kassiert". Jetzt kommt der mir auch noch
damit. Er stellt sich in meine Zimmertuer. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass er
mir auch noch mit der ‘Du bist der tolle Hecht und wenn Sie nicht will - selbst schuld’-
Theorie kommt. Auch ganz beliebt.
Mein Mitbewohner tobt. Er hasst Sand. Und er hat Recht, der Sand ist ueberall.
Selbst in den eigentlich nicht betroffenen Zimmern knirscht es unter den Fuessen.
"Man Martin" - jetzt klingt er wirklich genervt - "Warum? Kannst du Dich nicht wie
jeder sonst hier einfach in Kneipen verabreden? Hattest du wenigstens Spass?"
Jetzt missversteht er meine Situation. Und SO viel Sand ist es nun auch nicht.
Es ist ja nicht so, dass ich hier einen Strand aufgemacht haette, sondern
lediglich ein paar Kruemel, vielleicht auch eher Haeufchen, die aus meinem Rucksack kamen.
"Mmh. Spass?" Jetzt muss ich aufpassen. Wenn ich jetzt nicht gleich die
Kurve bekomme, nimmt das Gespraech seine ueblichen Bahnen an. Mein Mitbewohner
ist Realist. Ich auch, eben nur auf eine andere Art.
"Hast Du das mit Kirsten jetzt endlich geklaert?" Und schon sitz’ ich in der Falle.
"Mmh. Wir haben uns lange und gut unterhalten."
"Das war nicht meine Frage. Bist Du mit Kirsten jetzt weiter?"
Dass er auch immer so direkt ist. Und was heisst hier ueberhaupt ‘weiter’?
"Mmh. Naja, wir sassen zum Schluss am Meer und…" fange ich an und haette dabei
eigentlich genausogut eine weisse Fahne schwenken koennen. Es ist klar, gleich
werde ich von ihm auseinandergenommen.
"Wie machst Du das eigentlich? Ihr sitzt am Meer, trinkt Wein. Lass’ mich raten: Du
hattest eine Kerze dabei und Du kommst keinen Schritt weiter?"
Schon wieder dieses Wort ‘weiter’.
Er hat Recht. Wobei: an sich bin ich schon weiter gekommen. Eben nur nicht
in der klaerenden Art und Weise. Kirsten ist ein Haertefall. Entweder sie will
absolut rein gar nichts von mir oder sie ist noch eine ganze Ecke schuechterner als ich.
So zumindest komplett aufs Wesentliche reduziert. Eine Reduzierung, der ich
mich auch eigentlich verweigere, denn weitergekommen bin ich schon,
jedoch in die falsche Richtung.
Anstatt Dinge zu klaeren und Tatsachen zu schaffen (geht das ueberhaupt in
einer solchen Situation?), hab ich mehr Sachen entdeckt, die ich an Kirsten spannend
finde. Dies sollte ich jedoch jetzt besser nicht auch noch anbringen.
"Martin, Du bist nicht schuechtern" reisst mich die Stimme aus der Kueche
aus meinen Gedanken. "Wovor hast Du eigentlich Schiss?".
Oh nein, nicht die Frage. "Dass Du Dich zum Affen machst?" Da liegt er schon nicht
ganz falsch. Die Stimme kommt naeher.
"Mal ehrlich, wir haben alle schon Koerbe kassiert". Jetzt kommt der mir auch noch
damit. Er stellt sich in meine Zimmertuer. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, dass er
mir auch noch mit der ‘Du bist der tolle Hecht und wenn Sie nicht will - selbst schuld’-
Theorie kommt. Auch ganz beliebt.
"Geschichte wiederholt sich", ein Lieblingszitat in unser WG. Hat wohl der fruehere
Mathelehrer von einem der Herren Mitbewohner immer gesagt. Der gleiche Mathelehrer
dem wir es auch zu verdanken haben, dass wir regelmaessig den Spruch "Wer zu
spaet kommt, den bestraft das Leben" zu hoeren bekommen. Aber den hat er selbst
nur geklaut, stammt naemlich eigentlich von Gorbatschow.
Diese Geschichte ist eigentlich keine Wiederholung, nur die Treffen an sich. Mit
dem Ergebniss, dass ich hinterher jedesmal noch verwirrter bin als vorher.
"Martin, antwortest Du mir auch?" Jetzt wird er zickig und bohrt. Das Einzige,
was mir jetzt noch fehlt, ist (abseits all der anderen Dinge)…und da hoere ich auch
schon die Tuer. Jetzt bekommt er auch noch Verstaerkung.
"Gerd ist immer noch ‘missing in action’?" klingt es vom Eingang.
"Ja, aber hier geht es grad’ um Martin und seine Fortschritte bei Kirsten".
"Alter Hut, ich frag’ mich, was wohl mit Gerd ist".
"Der hat sich aus den Staub gemacht, bevor unser Bad zum Stadtstrand erklaert wurde".
Mitbewohner unter sich. Aber schoen, dass meine Probleme und mein Leben mehr zu
bieten haben als unser verschwundener Schuster aus dem Bad. Ich versuche mich aus
der Affaere zu ziehen, wenig vielversprechend angesichts der Tatsache, dass meine
Zimmertuer durch einen der Mitbewohner versperrt ist.
"Martin, ich faend’s ja schon noch spannend, von gestern Abend zu hoeren", werde ich
daran erinnert, dass ich nie zu Ende erzaehlt hab.
"Hast du wenigstens mal den Arm um Sie gelegt oder gab es irgendeine Naeherung?"
Arg. Jetzt faengt auch der zweite Mitbewohner an, direkt Volltreffer zu landen und gesellt
sich auch noch in meine Zimmertuer. Die beiden dort, ich mit dem Rucksack in der Hand,
unter dem Rucksack auf dem Fussboden ein kleiner Haufen Sand.
"Das hat sich nicht ergeben", druckse ich rum.
"Sowas ergibt sich immer, zur Not hat sich der Arm verlaufen".
So langsam stinken mir deren Ratschlaege.
Mathelehrer von einem der Herren Mitbewohner immer gesagt. Der gleiche Mathelehrer
dem wir es auch zu verdanken haben, dass wir regelmaessig den Spruch "Wer zu
spaet kommt, den bestraft das Leben" zu hoeren bekommen. Aber den hat er selbst
nur geklaut, stammt naemlich eigentlich von Gorbatschow.
Diese Geschichte ist eigentlich keine Wiederholung, nur die Treffen an sich. Mit
dem Ergebniss, dass ich hinterher jedesmal noch verwirrter bin als vorher.
"Martin, antwortest Du mir auch?" Jetzt wird er zickig und bohrt. Das Einzige,
was mir jetzt noch fehlt, ist (abseits all der anderen Dinge)…und da hoere ich auch
schon die Tuer. Jetzt bekommt er auch noch Verstaerkung.
"Gerd ist immer noch ‘missing in action’?" klingt es vom Eingang.
"Ja, aber hier geht es grad’ um Martin und seine Fortschritte bei Kirsten".
"Alter Hut, ich frag’ mich, was wohl mit Gerd ist".
"Der hat sich aus den Staub gemacht, bevor unser Bad zum Stadtstrand erklaert wurde".
Mitbewohner unter sich. Aber schoen, dass meine Probleme und mein Leben mehr zu
bieten haben als unser verschwundener Schuster aus dem Bad. Ich versuche mich aus
der Affaere zu ziehen, wenig vielversprechend angesichts der Tatsache, dass meine
Zimmertuer durch einen der Mitbewohner versperrt ist.
"Martin, ich faend’s ja schon noch spannend, von gestern Abend zu hoeren", werde ich
daran erinnert, dass ich nie zu Ende erzaehlt hab.
"Hast du wenigstens mal den Arm um Sie gelegt oder gab es irgendeine Naeherung?"
Arg. Jetzt faengt auch der zweite Mitbewohner an, direkt Volltreffer zu landen und gesellt
sich auch noch in meine Zimmertuer. Die beiden dort, ich mit dem Rucksack in der Hand,
unter dem Rucksack auf dem Fussboden ein kleiner Haufen Sand.
"Das hat sich nicht ergeben", druckse ich rum.
"Sowas ergibt sich immer, zur Not hat sich der Arm verlaufen".
So langsam stinken mir deren Ratschlaege.
