Mundhygiene

Angelegt von martin Sat, 21 Mar 2009 18:17:00 GMT

"Viel Spass mit Martin". Ich starre auf die Packung. Da steht in einer mir doch
sehr vertrauten Handschrift dieser Satz:

"Viel Spass mit Martin"

Schade, das ich es nicht bin, der hier jetzt Spass hat. Die Packung ist nicht in
meiner Hand, Sie haelt sie mir vor die Nase.

"Wer hat denn die Zahnbuersten gekauft?"

Ugh. Schlechte Frage. Ich haette ihr die Blaue geben sollen, aber ich bin ja so
schoen berechenbar und deswegen haelt Sie jetzt auch die eingepackte gruene
Zahnbuerste samt Packung in der Hand beziehungsweise mir vor die Nase.

"Viel Spass mit Martin". In einer weiblichen Handschrift. Das ich das da
nicht als Gag fuer Sie (haha) draufgeschrieben hab, war auch klar.

Das Bett war frischbezogen, die Flasche am Bett hatte frisches Wasser,
Aschenbecher auch weit genug unters Bett geschoben und jetzt diese
Zahnbuerste. Sie meine Zahnbuerste benutzen zu lassen, haette weniger
Punktabzug gegeben.

Wenigstens hatte die Quelle meiner Zahnbuersten nicht noch versucht,
die Person direkt zu adressieren. Das waere in diesem Fall komplett
daneben gegangen. Ich schaue von der Packung zu der Person die zur Hand
mit der Packung gehoert und wieder zur Packung.
Nein, Kathrin haette es noch weniger gefallen, haette dort gestanden:

"Meike, viel Spass mit Martin"

Wie schaut man nochmal verdutzt und betroffen? Mein Gesicht und mein
Gehirn versuchen erfolglos miteinander zu kommunizieren.

Ich waere ja vorher schon beinahe aufgeflogen. "Auf der Waschmaschine
liegt eine neue Zahnbuerste"

"Warum hast du den da zwei neue liegen?"

Naja, das war ja noch leicht erklaert.

"Tut mir leid, sind leider keine Weichen".

"Haeh? Wieso, hier steht doch drauf: Sanft"

Sowas. Aber dann kam die Rueckseite der Packung.

"Viel Spass mit Martin"

Heute wohl eher nichtmehr.


 

Nein, nein, das ist kein Hinweis - nein, eine Warnung 1

Angelegt von felix Wed, 28 Jan 2009 00:32:00 GMT

"Baustelle Videoueberwacht". Als ich von dem Schild an der Baustelle hoerte,
dachte ich zunaechst:
 
Wow. Videoueberwachung ist zwar ueberall,
aber wenigstens weisen Sie drauf hin.
 
 
Als ich das Schild dann sah, wandelte sich dieser (jaja, ich geb zu, naive)
Gedanken dann in:
 
Ihr Arschnasen. Eine Baustelle ist keine Bank und brauch garantiert keine Hochsicherheitszone.
 
Jedoch, man koennte in Versuchung kommen einen Kran zu klauen.
Macht sich sicherlich praktisch im heimischen Garten.
Oder so einen Bagger. Wollte ich schon immer haben.
 
Mal abgesehen davon, das wir hier von einer schimmeligen Webcam reden.
Jaja, Videoueberwachung.
Ist aber gut, das wir in einem sicheren Land leben.
Den wo gefilmt wird, passiert einem nix boeses.
Nein, nein, nein. Wenn man dies Mantra nur genuegend runterbetet,
glaubt man es vielleicht auch mal.
 
Ich geb zu meine Interpretation des Schildes ist
aeusserst subjektiv, aber fuer mich wirkt es nicht, wie ein netter Hinweis,
sondern wie das Schild in Texas:
 
Trespassers will be shot.
 

Bis dann

Angelegt von martin Tue, 20 Jan 2009 23:28:00 GMT

 

Blauer Himmel. Klasse. Kater? Noch ein wenig vorhanden, vielleicht
aber auch noch nicht ganz angekommen.
Restalkohol? Definitiv.
Ansonsten koennte ich jetzt klar denken, aber das waere in dieser Situation fatal.
 
"Immer diese betrunkenen Idioten, die am naechsten Tag nicht wissen,
was sie geredet haben." Ich bin still, auf dem Sofa in der Kueche.
Vielleicht merkt ja keiner, das ich heute in diese Schublade gehoere.
 
Ich versuche es mit meiner starken Seite, Humor:
"Was meint ihr warum ich so still bin?".  Stille.
Bin mir nicht sicher, ob das geklappt hat.
Ok, eigentlich brauche ich Hilfe, aber keine in Sicht. Stille in der WG Kueche.
Keine Freunde selbstkritischen Humors. Also: Weiterhin Mund halten.
 
Die Situation ist schnell umrissen.
 
WG Kueche. Mitbewohner. WG Party. Meike. Ich.
 
Und ob ich in diesem Moment hier am richtigen Ort bin, da bin ich mir auf einmal
auch nicht mehr ganz sicher.  Der Kater kuendigt sich in der Ferne an.
 
Den Morgen danach bei WG Parties mitzunehmen hat was, die Stimmung in solchen
Gefilden kann sehr interessant sein. Das aendert sich, wenn mann eben nicht auf
dem Sofa geschlafen hat, sondern in einem Bett. Nicht allein. Und auf einmal beim
Fruehstueck die Distanz wieder da ist.
 
Zurueckspulen.
Ich steh im Bad. Welche Zahnbuerste war die, die ich letzte Nacht bekommen habe?
Ich glaube, die Blaue wars. Passt auch thematisch.
Ironischerweise sollte ich zwei Wochen spaeter rausfinden, das es die Gelbe war.
In diesem Moment jedoch streckt sich die Zeit ganz schnell ganz lang. Unentschlossen
zuckt meine Hand zwischen Gelb, Gruen und Blau. Absurd das ich in dieser
Situation an die Kindersendung im Fernsehen denke, wo man sich fuer eine von drei
Tueren entscheiden musste. Fast haehmisch hoere ich den Reim.
"Eins, Zwei oder Drei. Und ob du richtig stehst, siehst du wenn das Licht angeht".

Ein Klopfen reisst mich aus den Gedanken. "Martin?" hoere ich eine ungeduldige Stimme.
Vorspulen.
 
Derjenige der eine solche Szene schonmal erlebt hat, weiss, das es dann eigentlich ganz
schnell geht. Irgendwie gibt es eigentlich eine Menge zu sagen, doch keiner sagt was.
Oder ist eigentlich alles ganz einfach und man meint nur, das es noch was zu sagen gibt?
 
Turnschuh an und schon ist die Tuer zum Treppenhaus offen.
"Bis dann" Was fuer eine bescheuerte Verabschiedung. Die Tonwahl machte auch klar,
das es kein "Bis dann…." oder ein "Bis dann?" war.
Sondern ganz klar: "Bis dann".  Absolute Unverbindlichkeit in zwei Worten.
 
Immer noch blauer Himmel. Der Sommer faengt an. Ich sitz auf meinem Rad und fahr
durch die Stadt, zielgerichtet, doch eigentlich orientierungslos.
Langsam kommt der Kater. Eben noch kurz euphorisch gewesen, doch dann setzt
die Wirkung des "Bis dann" langsam, aber sicher, ein.

 

Sind Schildkroeten eigentlich beneidenswert?

Angelegt von martin Mon, 19 Jan 2009 06:40:00 GMT

 

Vielleicht haben Sie im Gegensatz zu uns Menschen, schon lange verstanden,
das nicht das Ziel der Weg, sondern der Weg das Ziel ist.
 
Vielleicht frustrieren Sie aber auch staendig, weil Sie das Gefuehl haben,
einfach nicht anzukommen.
 
Auf dem Land vielleicht ganz schoen langsam, packt man eine Meereschildkroete
ins Wasser, ist sie auf einmal ganz schnell, wendig und flink.
Eine Frage des Mediums? Eine Frage des richtigen Ortes?
 
So ein grosser, dicker Panzer. Eine Schutzhuelle, an der eine solche
Schildkroete schwer zu tragen hat. Dafuer kann Sie sich jederzeit verkriechen.
Was eine Schildkroete wohl so macht, wenn Sie in Ihrem Panzer ist.
 
Vielleicht brauch die Schildkroete gar keinen Panzer fuer sich.
Sie hat ihn, um anderen einen Ort des Ausruhens zu bieten.
Oder zur Mitreise? Aber eine Reise mit einer Schildkroete?
Wo wuerde die hinfuehren? Sicherlich nicht weit, aber vielleicht
geht es auch gar nicht um das wie weit, sondern um das wie.

Rückblick

Angelegt von martin Sun, 06 Jul 2008 20:21:00 GMT

Bevor ich vor wenigen Wochen in die Gottorp 16 gezogen bin, habe ich für einige Monate in einem Haus auf dem Land gelebt. In den vier Monaten, die ich in dem Haus gewohnt habe, habe ich es auf ganze 25 Nächte gebracht, die ich tatsächlich in dem Haus geschlafen habe. Daran kann man erkennen, wie wohl ich mich dort fühlte.

Folgender Text ist zu der Zeit entstanden.

 

Definition: Verwahrlosung
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Yoghurt-Glas. Untertassen-Aschenbecher. Wollmaeuse.
Wollmaeuse. Staub. Waesche haengt zum Trocknen im Zimmer.
Bierflaschen (Becks, aber das war klar), 0.33L, stehen herum.
Nicht viele, jedoch mit genauem Augenmass genug verteilt.
Es gilt, wie so haeufig, Qualitaet nicht Quantitaet, Sinn fuer
ein solches Arrangement entwickelt man eh nur Abseits der nuechternen Denkweise.

An der Wohnungstuer klebt der obligatorische Zettel einer Nachbarin.


Hallo Martin,

Dieter bittet dich die Stuehle rauszustellen. Seine Schwester
war da und wollte die abholen.

Gruss, Ute.


Ah, also die Frau von Nebenan heisst Ute. Immerhin schonmal was.
Ute, hab ich beim Einzug schon kennengelernt. Ihr Auto stand im
Weg. 12:30, Sonntags. Da darf man klingeln.
"Wir sind grad extrem beschaeftigt", hallte es durch die Tuer.
Ich stand davor und meinte: "Ich bin Martin. Und ziehe nebenan
ein."

Viel war ich nicht hier. Das sieht man wohl. Was wohl die Nachbarn
denken, wenn Sie durch die Scheiben schauen. Eines der Probleme,
wenn das Wohnzimmer Paterre ist und man aus Kartons lebt.
Yoghurt-Glas. Untertassen-Aschenbecher. Wollmaeuse.
Wollmaeuse, aber die sieht man durch das Fenster nicht. Den Staub auch
nicht.
Waere es nicht dunkel, wuerde mir jetzt durch den Kopf gehen, das
man hoechstens den Dreck auf der Scheibe sieht. mmmh.

Gut, also die Scheiss-Stuehle rausstellen. Ob die sich wohl geaergert
hat. mmmh. Eigentlich auch egal.

Yoghurt-Glas. Untertassen-Aschenbecher. Wollmaeuse. Abwasch.
Abwasch, neben dem Essemble aus Fusswanne, in dem die Wasserhahn-
Amatur liegt. Mein Blick wandert ueber das Gesamtbild. Eigentlich ist
es auch kein Wunder, das ich die Stuehle vergessen habe. 22:58.
Morgen koennte ich mich um den Abwasch kuemmern. Ach nein. Donnerstag,
nein, da treffe ich Meike. Freitag? Da bin ich mit Steffen verabredet.
Ist auch ein wichtiger Termin. Fernseh-Trinken. Hobbies muss der Mensch
haben. Work-Life Balance, nennt man das jetzt auf Neu-Deutsch.

Samstag? Passt irgendwie auch nicht. WG-Party bei Meike.
Sonntag? Naja, schauen wir mal.

Verwahrlosung? Nein, das ist was Anderes.

 

Hellhörig

Angelegt von martin Sun, 06 Jul 2008 19:35:00 GMT

Das die Gottorpstrasse eine besondere Akustik hat, ist mir seit dem ersten Einsatz der Walze bewusst. Von dem Geräuschpegel der Walze haben nicht nur die Bewohner unseres Hauses etwas, sondern gleich die ganze Strasse. Das auch Geräusche (und Gespräche!) zwischen den Häusern gut verteilt werden, wurde mir heute demonstriert.

"Es geht nicht ums Prinzip. Es geht um deine Käsemaucken in meinem Bett. Das hat nix mit Prinzip zu tun, das ist eklig".

So eine Frauenstimme. Ich wartete auf die entsprechende Antwort, die kam jedoch nicht. Stattdessen nochmal erneut die Frauenstimme.

"Hör doch auf, das ist eklig"

Ah, die andere Stimme gibts nur in dem Handy von der Frauenstimme. Schon beim ersten Satz war klar, das wenn es hier um etwas geht, dann auf jeden Fall ums Prinzip. Ob Prinzip oder nicht, prinzipiell ist mir jetzt klar, das wir unsere Gespräche über fragwürdige Inhalte, nicht wie bisher auf dem Balkon führen sollten.

 

Startschuss

Angelegt von felix Fri, 04 Jul 2008 10:03:00 GMT

So, seit einer Woche ist der Gubbel der Vormieter (nein, das ist nicht alles. Das ist das, was die Stadt Oldenburg vom Speermuell hat liegen lassen), mehr oder weniger, raus. Sonntag ist dann auch der letzte der drei Vormieter ausgezogen. Jetzt kann der Spass auf der Baustelle richtig beginnen.

Ziel ist es, bis September mit den Arbeiten durch zu sein, viel Zeit - aber auch nur, wenn man nicht weiss, das sowohl Thomas als auch ich im Juli grösstenteils unterwegs sind.

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